Was für eine Nacht!

18. Oktober 2009

„Komm, komm, wir müssen auf den Ku´damm!“ Man konnte sich dieser einmaligen Stimmung kaum entziehen. Ganz schnell kam ich mit einem jungen Pärchen aus dem Umland von Berlin, der DDR, ins Gespräch, Fred und Claudia, sowie mit einer Mutter und ihrem erwachsenen Sohn aus Caputh, nahe Potsdam. Nach kurzer Zeit setzen wir uns in ein Lokal, stießen mit Coca Cola, die der Besitzer des Lokals uns kostenlos servierte, an und erzählten und erzählten bis in die Morgenstunden. Wir alle werden diese Nacht nie vergessen und und sind dankbar, dass wir eine der wundervollsten, lustigsten und aufregendsten Nächte erleben durften.
Von C.G.

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Der Brocken ohne Zäune

18. Oktober 2009

Oft unternahmen mein jüngerer Bruder und ich mit unseren Eltern Wochenendausflüge in den Harz. Bei unseren Ausflügen hatten wir ihn nämlich häufig gut im Blick, den Brocken. Er ist der höchste Berg des Harzes und überragt mit 1142 Metern alle anderen. Dort wollten wir hin, konnten aber nicht hinauf, weil der Brocken zur DDR gehörte. Wie oft haben wir gesagt: „Einmal dort oben stehen….“ Wo immer wir auch im Harz unterwegs waren, stießen wir bei unseren Wanderungen oft an die Grenze zur DDR. Im Harz stand keine Mauer so wie in Berlin. Im Harz gab es hohe Zäune und viele Warnschilder, dass man dem Zaun nicht zu nah kommen solle. Als Kind fand ich das sehr beängstigend.
Im Frühsommer 1990 brachen wir dann endlich auf zu einer Wanderung vom Torfhaus (im Westen) auf den Brocken (im Osten). Zunächst waren wir fast allein unterwegs. Je näher wir dem Gipfel kamen, desto mehr Wanderer und „Sandalentouristen“ trafen wir. Oben war es ein Gewimmel, fast wie auf dem Kurfürstendamm.
D.L.


"Wahnsinn!"

16. Juli 2009

Ganz Berlin war im Glückstaumel. Der Ku’damm, der Rankeplatz, der Tauentzien und das Kranzlereck, ja, man kann ohne Übertreibung behaupten: Ganz West-Berlin war eine Partymeile! Die Gegend um den Kurfürstendamm war wohl die größte Tanzfläche Europas geworden. Immer wieder hörte man den Ausruf: „Wahnsinn!“. Die Grenzöffnung mit der Freude der Menschen aus Ost und West an diesem Abend und den nächsten Tagen (…) kann man wirklich nur kurz und bündig mit dem hunderttausendmal gerufenen: „Waaahnsinn!“ beschreiben. (..)

H.E.


Vom Anhalter Bahnhof zum Brandenburger Tor

16. Juli 2009

Am nächsten Tag, völlig müde vom langen Fernsehen, fuhr ich nach der Arbeit vom Anhalter Bahnhof zum Brandenburger Tor und kletterte dort auf die Mauer und freute mich einfach nur, dass ich diesem Bauwerk auf dem Kopf herumtrampeln konnte. (…)

Ich konnte mich nur freuen und lief wie ein Honigkuchenpferd immer grinsend und fast schwebend und emotional völlig überdreht durch die Straßen. Und wenn man sich so umguckte, es schien fast allen Menschen in der Stadt so zu gehen. (…)

H.R.


Trabbis vor Aldi

16. Juli 2009

Die übergroße Freude und diese Gefühl „wir sind ein Volk“ werde ich im Leben nie vergessen. In den darauf folgenden Wochen war Berlin im Ausnahmezustand. Bei Aldi waren die Regale leergefegt, alle großen Supermärkte hatten lange geöffnet und verkauften Lebensmittel. (…)

Die ganze Stadt roch nach Trabbibenzin und Braunkohle und ich ging nur noch einkaufen, wenn es sich gar nicht mehr aufschieben ließ. Die Geschäfte waren nämlich so voll, dass man oft draußen stehen und warten musste bis zehn Menschen das Geschäft verließen, damit zehn neue rein konnten.

(…) M.T.


An der Bornholmer Brücke

8. Juni 2009

Ich saß mit meiner Freundin bei einem Glas Wein, als wir in den Nachrichten erfuhren, dass die Mauer offen wäre. Wir sind sofort zur Bornholmer Brücke gelaufen und da sahen wir, dass alle Menschen mit Trabbi und zu Fuß über die Brücke kamen. Wir waren auch ganz froh darüber, denn es war ein einmaliges Erlebnis. Wir standen bis in den Morgenstunden da und feierten mit den Leuten. Es gab Sekt und Bilder mit den Vopos*, was bis eben noch gar nicht möglich gewesen wäre. Wir sind auch „rüber“ gegangen, standen aber immer mit einem Fuß im Westen – denn so ganz haben wir der Sache nicht getraut. Wir haben nicht geschlafen sind gleich zur Arbeit gefahren und dort gab es nur ein Gesprächs Thema: „Die Mauer ist offen“…

Lustig war noch, dass ich am nächsten Tag nach der Arbeit wieder zur Bornholmer Brücke gefahren bin und mich vergewissern wollte, ob die Mauer wirklich offen ist. …

(* Vopos: war die umgangssprachliche Bezeichnung für die Volkspolizisten in der DDR)

J.R.


Leere Straßen am 10. November 1989

8. Juni 2009

„Ich habe früh geheiratet und wie in der DDR üblich, relativ jung zwei Kinder geboren. Politisch habe ich mich nicht engagiert, meine Interessen galten meiner Familie und meinem Beruf.“

Dann kam der 9. November 1989….

„Am nächsten Morgen bin ich mit meiner Tochter zum Arzt gegangen. Schon auf dem Weg dorthin fielen mir die leeren Straßen auf und auch in der Kinderarztpraxis war es leer. Hierher hatten sich nur zwei Mütter mit ihren Kindern verirrt. Das machte mich schon etwas stutzig, wartete man sonst doch mindestens zwei Stunden. Selbst diese außergewöhnliche Situation brachte mich nicht weiter zum Nachdenken und die Pressekonferenz vom Vorabend hatte ich nicht mehr im Kopf.“ …
I.S.